Doppelte Auszeichnung für das Mamanwa Community Center: Hochschule Kaiserslautern gewinnt zwei internationale Designpreise

Wie baut man ein nachhaltiges Gebäude aus Bambus – mit Menschen, die man noch nie getroffen hat, in einem Dorf am anderen Ende der Welt? Dieser Herausforderung stellten sich im Frühjahr 2024 Studierende und Lehrende der Studiengänge Architektur, Innenarchitektur und Bauingenieurwesen der Hochschule Kaiserslautern. Gemeinsam mit der indigenen Dorfgemeinschaft der Mamanwa auf den Philippinen entwickelten und realisierten sie ein nachhaltiges Community Center. Nun erhielt dieses DesignBuild-Projekt beim diesjährigen Good Design Award Philippines gleich zwei Auszeichnungen.

Von der Hochschule auf die Baustelle

Die Mamanwa zählen zu den ältesten indigenen Volksgruppen der Philippinen. Viele ihrer ursprünglichen Siedlungsgebiete auf der Insel Mindanao mussten jedoch in den vergangenen Jahrzehnten dem Bergbau weichen. Als Ende 2021 Taifun Rai die Region zusätzlich schwer traf und zahlreiche Gebäude zerstörte, fehlte der Dorfgemeinschaft im heutigen Mamanwa Village ein sicherer Ort für Begegnung, Bildung und medizinische Versorgung. Genau einen solchen Ort wollte das Hochschulteam mit dem Bau eines neuen Community Centers schaffen. Bevor aber der erste Bambus in den Tropen verbaut werden konnte, bereiteten sich die Projektbeteiligten in der Heimat intensiv auf ihre Aufgabe vor.

„In diesem Projekt stecken zwei Jahre Vorbereitung, wissenschaftliche Vorarbeiten, Spendensammeln, Förderanträge und die technische Auseinandersetzung mit Bambus als Baustoff“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Carina Neff, eine der beiden Projektleiterinnen. Ab dem Wintersemester 2022/2023 beschäftigten sich Studierende und Lehrende in Lehrveranstaltungen, Bachelor- und Masterarbeiten sowie praxisorientierten Workshops zunächst mit dem Baustoff Bambus und seinen Eigenschaften. Anschließend entwickelten sie Tragwerks- und Konstruktionslösungen, erprobten Verbindungstechniken und bauten Modelle als Vorbereitung auf den gemeinsamen Bau des Community Centers auf den Philippinen.

„Die größte Herausforderung war aber nicht die Technik, sondern die Materialbeschaffung vor Ort und das Improvisieren, wenn Bambus und Holz gekrümmter waren als gedacht“, erinnert sich die Bauingenieurin. „Besonders stolz bin ich darauf, wie unsere Studierenden aus drei verschiedenen Studiengängen zu einem echten Team zusammengewachsen sind.“

Aus der Idee wird ein Ort

Im Frühjahr 2024 begann schließlich die Bauphase vor Ort. Das rund 60-köpfige interdisziplinäre Projektteam reiste in drei aufeinanderfolgenden Gruppen nach Mindanao, um gemeinsam mit den Mamanwa das Community Center zu errichten. Fünf Wochen lang lebten, arbeiteten und lernten Studierende, Lehrende und die Mamanwa miteinander und voneinander. Zusammen legten sie das Fundament, errichteten das Tragwerk, bauten die Dachkonstruktion und gestalteten die Fassade des neuen Gemeinschaftszentrums. Dabei ging es nicht nur um Architektur, sondern darum, wie nachhaltiges Bauen langfristig für die Menschen vor Ort gelingen kann.

„Die Zeit auf den Philippinen hat uns tief geprägt“, erzählt Prof. Dipl.-Ing. Brigitte Al Bosta, ebenfalls Leiterin des Projekts. „Die Begegnungen mit den Menschen, ihre Kultur und ihr starkes Verständnis von Gemeinschaft waren für uns etwas ganz Besonderes.“ Der enge Austausch bestimmte das Projekt bis ins Detail. Das Hochschulteam verband die in der Heimat entwickelten Entwürfe und Konstruktionslösungen mit dem Wissen und den Handwerkstechniken der Mamanwa. So fertigten Studierende gemeinsam mit den lokalen Flechterinnen Rosalie und Lucy die Lampenschirme für das Community Center von Hand an und erlernten dabei traditionelle Flechttechniken.

Mit der feierlichen Eröffnung am 14. März 2024 endete das gemeinsame Bauen – die entstandene Verbundenheit blieb. „Bis heute stehen wir in regelmäßigem Kontakt mit Mamanwa Village, was dieses Projekt für uns besonders wertvoll macht“, betont die Professorin für Architektur. „Der Moment, als die 25 Lampen, die unsere Studierenden gemeinsam mit den Frauen im Dorf geflochten hatten, zum ersten Mal leuchteten, bleibt für mich unvergesslich.“

Ausgezeichnetes Design mit gesellschaftlicher Bedeutung

Heute ist das Gebäude ein zentraler Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft. Hier finden Feste, Workshops, Schulungen, Kinderprogramme und Gesundheitsangebote statt. „Wir freuen uns, dass das Community Center von den Mamanwa angenommen und mit Leben gefüllt wird“, sagt Anja Höfler, Diplomingenieurin und Assistentin der Projektleitung. „Dass dieser Ort nun auch international ausgezeichnet wurde, freut uns vor allem für die Menschen, denen dieses Haus gehört.“

Das Community Center überzeugte nicht nur als gebauter Ort für die Mamanwa, sondern auch als Beispiel für die Verbindung von nachhaltigem Bauen, gesellschaftlicher Verantwortung und praxisnaher Lehre. Mit Bambus als regional verfügbarem, schnell nachwachsendem und CO₂-speicherndem Baustoff veranschaulicht das Projekt, welche Möglichkeiten nachhaltiges Bauen bietet. Die internationale Fachjury des Good Design Award Philippines würdigte das Community Center mit dem Red Award in der Kategorie Place Making sowie dem Green Award for Sustainability. Der Green Award wird nicht pro Kategorie, sondern nur einmal unter allen Einreichungen an das nachhaltigste Projekt des Wettbewerbs vergeben. Durch diese Auszeichnungen qualifiziert sich das studentische DesignBuild-Projekt zugleich für die finale Bewertungsrunde des Good Design Award Japan (G-Mark).

Stellvertretend für das gesamte Projekt nahmen Prof. Dipl.-Ing. Brigitte Al Bosta, Prof. Dr.-Ing. Carina Neff und Dipl.-Ing. Anja Höfler die Auszeichnungen in Manila entgegen. „Diese Anerkennung gehört vor allem der Mamanwa-Gemeinschaft, unseren philippinischen Partnern und den Studierenden, die das Projekt mit großem Engagement möglich gemacht haben“, so Al Bosta und Neff. „Für uns zeigt sie, dass Architektur dann besonders wirksam wird, wenn sie gemeinsam mit den Menschen vor Ort entsteht.“