Interview / Kurzportrait: Dr. Marius Schöneberger

Marius Schönberger hat im September 2021 als dritter Absolvent des International Joint Doctoral Program zum Thema „The performance impact of computer system validation on the business value of SMEs“ promoviert. Warum er sich für das Kooperationsprogramm mit der Universität in Riga entschieden hat und wie seine Erfahrungen waren, beschreibt uns Marius Schönberger in einem kurzen Interview.

 

1) Wie sind Sie zu dem Entschluss gekommen, dass Sie gerade das Doktorandenprogramm in Riga annehmen wollten?

Zu meiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Kaiserslautern wurde ich von Daniel Kleber über die Partnerschaft der Hochschule mit der BA School of Business and Finance in Riga informiert. Er erzählte von seinen ersten Aufenthalten in Riga und dem Aufbau des Programms. Kurze Zeit später nahm ich an einer Informationsveranstaltung teil, an derer Vertreter aus Riga das Doktorandenprogramm vorstellten. Die Struktur des Programms und das gute Feedback von Daniel Kleber führten schließlich dazu, mich für das Promotionsstudium in Riga zu bewerben.

 

2) Was sind die Eigenschaften oder Voraussetzungen, die man mitbringen sollte, um das Programm erfolgreich zu absolvieren?

Eine Bewerbung für das Doktorandenprogramm ist nur mit einem abgeschlossenen Masterstudium möglich. Die bis dahin gesammelten Erfahrungen sind meiner Meinung nach schon mehr als ausreichend, denn das Doktorandenprogramm ist inhaltlich so aufgebaut, dass alle notwendigen Grundlagen für einen erfolgreichen Abschluss innerhalb der ersten zwei akademischen Jahre gelegt werden. Dennoch liefert die Bewerbung für das Programm noch ein paar Hürden: So ist der Bewerbung bereits ein Abstract über das Thema der Dissertation beizulegen. Dieses sollte den Anforderungen an wissenschaftliche Arbeiten entsprechen, in englischer Sprache formuliert sein und die Motivation, die Problemstellung sowie einen ersten Forschungsansatz beschreiben. Weiterhin ist ein englisches Sprachzertifikat (bspw. TOEIC oder TOEFL) der Bewerbung beizulegen. Abschließend erfolgt ein Interview mit den Programmverantwortlichen, welches vorrangig dem gegenseitigen Kennenlernen dient. Die Bewerbung benötigt somit etwas Vorbereitung und Zeit, ist aber letztlich keine Raketenwissenschaft.

 

3) Was hat Ihnen besonders gut am Programm gefallen?

Am besten gefallen haben mir wohl die Struktur und Inhalte des Programms. So umfassten die angebotenen Pflichtveranstaltungen Vorlesungen zum wissenschaftlichen Arbeiten oder zur Planung, Durchführung und Auswertung qualitativer und quantitativer Forschungen. Darüber hinaus konnten verschiedene Wahlveranstaltungen belegt werden, sodass eine Spezialisierung zu einem bestimmten Fachbereich erfolgen konnte (bspw. Innovation Management) oder verschiedene Basics aufgefrischt werden konnten (bspw. English for academics). Daneben gab es Veranstaltungen, die Meilensteine des Programmes darstellten. So musste am Ende des ersten akademischen Jahres das Dissertationsvorhaben angemeldet und präsentiert werden. Am Ende des zweiten Jahres musste das theoretische Grundgerüst vorgestellt und diskutiert werden. Diese Zwischenziele halfen bei der zeitlichen Orientierung und dabei, sich nicht in der Literaturrecherche zu verlieren.

Auch die im Rahmen des Programms geforderten Konferenzbesuche haben mir gut gefallen. Hierfür reiste ich nach Wien, Mailand oder Paris. Natürlich stand dabei nicht nur der wissenschaftliche Austausch im Vordergrund. Die Konferenzen boten immer auch genügend Zeit, die Städte und deren Sehenswürdigkeiten zu erkunden.

 

4) Gibt es auch Inhalte des Programms, für das Sie sich Verbesserungen vorstellen könnten?

Das Promotionsprogramm in Riga wird von drei Universitäten organisiert und durchgeführt (BA School of Business and Finance, RISEBA University, Stockholm School of Economics Riga). Als ich 2016 mit dem Promotionsstudium startete, waren die Abstimmung und Kommunikation untereinander nicht immer reibungslos. Für mich war es oftmals schwer, den richtigen Ansprechpartner zu finden. Auch habe ich Veranstaltungen besucht, welche noch nicht für das internationale Programm aufbereitet waren. Diese wurden zwar in englischer Sprache gehalten, die Folien und Vorlesungsunterlagen waren jedoch auf Lettisch. Auch die Informationssysteme der Hochschulen sind nicht einheitlich und teilweise auf Lettisch. Dies erschwerte den Zugang zu Vorlesungsinhalten oder Literaturdatenbanken. Viele dieser Punkte sind mittlerweile verbessert. Dennoch könnte die Abstimmung der drei Universitäten noch stärker intensiviert werden.  

 

4) Vor welchen Herausforderungen standen Sie während Ihrer Promotion? 

Das Promotionsvorhaben war insgesamt eine schwierige Angelegenheit mit mehreren kleinen und größeren Hürden. Rückblickend stellte für mich eine größere Herausforderung 

die Datenerhebung dar. Für die Befragung kleiner und mittelständischer Unternehmen der Medizintechnikbranche habe ich über 750 Firmen in Deutschland per E-Mail angeschrieben und nach einer Erhebungszeit von zwei Monaten lediglich 12 Rückmeldungen erhalten. In Abstimmung mit meiner Doktormutter änderte ich den Fokus auf KMU in Lettland. Dort konnte ich meine Studie erfolgreich durchführen und repräsentative Daten erheben. Diese Verzögerung führte dazu, dass sich die Datenerhebung weit über ein Jahr erstreckte.

Meine persönlich größte Herausforderung war es, mich neben Beruf und Familie mehrere Jahre mit meinem Promotionsthema auseinanderzusetzen. Da ich während des Doktorandenstudiums in einer Vollzeitbeschäftigung tätig war, verlagerten sich die Arbeiten an der Dissertation sowie an den Prüfungsleistungen des Programmes auf die Abendstunden. In den knapp fünf Jahren meines Promotionsstudiums wurden zwei meiner drei Söhne geboren. Entsprechend schwieriger wurde es, Promotion und Familie unter einen Hut zu bekommen. Gelingt es nicht, sich zum Weiterarbeiten an der Dissertation zu motivieren, so zieht sich der Abschluss dieser nur in die Länge. So gesehen hat meine Frau einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg meiner Dissertation beigetragen, da sie mir oft die notwendigen Freiräume für die Arbeit an meiner Promotion geschaffen hat.

 

5) Wie haben Sie den Austausch mit anderen Doktoranden und dem akademischen Staff in Riga empfunden?

Das Promotionsprogramm vereinte bewusst lettische und internationale Doktoranden, um den Austausch und die Kommunikation untereinander zu fördern. Zusätzliche Doktoranden Workshops dienten der Diskussion des aktuellen Standes der Dissertation. Für mich waren diese Workshops und Treffen mit den Doktoranden immer sehr hilfreich, um meinen eigenen Fortschritt einordnen sowie von vorangeschrittenen Promovierenden Ideen für mein weiteres Vorgehen ableiten zu können. Ich habe ja schon erwähnt, dass die Kommunikation mit den Verantwortlichen des Programmes nicht immer einfach war. Damit wir Doktoranden untereinander immer gut informiert waren, hatten wir schon recht früh unsere Kontaktdaten ausgetauscht und uns über eine WhatsApp-Gruppe organisiert. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass wir dadurch besser über die Abläufe des Programmes Bescheid wussten als die Organisatoren. Gut, dass die Verantwortlichen hier mittlerweile nachgebessert haben.

 

6) Welche Auswirkungen für Ihre berufliche Zukunft erwarten Sie sich von Ihrem erfolgreichen Abschluss?

Der Abschluss meiner Promotion führte bereits zu einer beruflichen Veränderung: seit September 2021 arbeite ich als Geschäftsführer am Forschungsinstitut Bildung Digital (FoBiD) an der Universität des Saarlandes. Dort bin ich für die zukünftige strategische Ausrichtung des FoBiD verantwortlich und unterstützte die Forscherinnen und Forscher am Institut bei der Entwicklung digitaler didaktischer Konzepte für die Aus- und Weiterbildung in Schulen, Hochschulen und Unternehmen. Meine Erfahrungen aus dem Promotionsstudium kann ich hier wertvoll in die verschiedenen Forschungsprojekte des Instituts einbringen.

 

7) Welche Tipps geben Sie künftigen Doktoranden unseres Programms mit Riga auf den Weg?

Der Austausch mit meiner Doktormutter hat sich für mich als besonders wertvoll herausgestellt. Ihre Erfahrungen sowie ihre Vernetzung mit Vertretern der lettischen Hochschulen und Industrie haben mir einige Hürden genommen. Da das Programm für den Abschluss der Dissertation die Teilnahme an mind. drei wissenschaftlichen Konferenzen vorsieht, habe ich versucht, die im Rahmen des Studiums erstellten Seminararbeiten auf diversen Konferenzen zu platzieren. Hier ist besonders die ASBBMC Konferenz zu erwähnen, die von den drei Universitäten in Riga organisiert wird. Studierende aus dem Promotionsprogramm können an dieser Konferenz kostenlos teilnehmen, den aktuellen Stand ihrer Promotion vorstellen sowie ihre Konferenzbeiträge in einer Fachzeitschrift veröffentlichen. Damit konnte ich mehr Zeit in die Ausarbeitung der Dissertation investieren. Das Lesen bereits abgeschlossener Dissertationen an der BA School of Business and Finance hat mir schließlich dabei geholfen, ein besseres Gefühl für die Struktur und das Format zu bekommen. Schließlich empfehle ich, näher mit den lettischen Doktoranden in den Austausch zu gehen. Nicht nur, dass die Kommunikation untereinander hilfreich für den weiteren Verlauf des Studiums ist, sie kennen auch die besten Locations in Riga. So haben wir viele schöne Abend verbracht, abseits des Studiums und dem Arbeiten an der Dissertation.

Virtuelle International Business Week am Campus Zweibrücken

Auch in diesem Jahr fand die alljährliche International Business Week (IBW) am Campus Zweibrücken der Hochschule Kaiserslautern statt, coronabedingt wie im Vorjahr nochmals in digitaler Form. Durch diese Veranstaltungsform ergaben sich allerdings auch im Hinblick auf den Teilnehmerkreis ganz neue Möglichkeiten, was sich nicht zuletzt in der besonders hohen Teilnehmerzahl widerspiegelt. Insgesamt nahmen vom 14. bis 18. März ca. 80 Studierende von sechs Hochschulen und aus vier Nationen an dieser Veranstaltung teil.

Die IBW bietet den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein geeignetes Umfeld für einen internationalen Austausch und gemeinsames Lernen. Die Gaststudierenden und die Studierenden der Zweibrücker Studiengänge Finanzdienstleistungen und International Business Administration bilden während der IBW gemischte Teams und arbeiten gemeinsam an einem Planspiel – Arbeitssprache dabei ist natürlich Englisch.

Beim Planspiel schlüpfen die Studierenden in die Rolle des Vorstands eines Industrieunternehmens und treffen Entscheidungen in Bereichen wie Marketing, Produktion, Personal und Finanzen. „Hierbei ist es sowohl für die Teilnehmenden als auch für die betreuenden Dozenten immer wieder interessant, mit welch unterschiedlichen Herangehensweisen sich die verschiedenen Nationalitäten der Fragestellung und deren Lösung nähern“, erwähnt Prof. Dr. Christian Armbruster vom Zweibrücker Fachbereich Betriebswirtschaft einen wichtigen Aspekt der von ihm organisierten Veranstaltung.

„Neben dem Erwerb von Management-Knowhow werden durch die Zusammenarbeit von Studierenden unterschiedlicher Nationalitäten insbesondere auch deren interkulturelle Kompetenzen entwickelt und anspruchsvolle und komplexe betriebswirtschaftliche Sachverhalte und Lösungsstrategien sehr praxisnah angewendet und trainiert,“ so Armbruster weiter.

Was bei einer reinen Online-Veranstaltung natürlich ein wenig fehlt, ist ein geeignetes Rahmenprogramm, das den fachlichen Austausch speziell nach den Arbeitsrunden stimmig ergänzt und selbstverständlich auch das persönliche Kennenlernen zusätzlich fördert. „Im nächsten Jahr hoffen wir deshalb, die IBW mit unseren internationalen Gästen wieder in Präsenz oder auch hybrid durchführen zu können und ihnen dabei auch beispielsweise die kulturellen und kulinarischen Höhepunkte unserer Region näher bringen zu können“, wirft Armbruster bereits einen Ausblick auf die International Business Week 2023.