Zurück nach Pangäa – per Virtual Reality zur „Original Reality“

VR-Experience führt 300 Millionen Jahre zurück in die Urzeit

Mitarbeitende des Studiengangs Virtual Design unserer Hochschule entwickelten gemeinsam mit externen Partnern „Zurück nach Pangäa – Als die Pfalz am Äquator lag“ – eine VR-Experience, die 300 Millionen Jahre zurück in die Urzeit führt. Das Projekt ist seit Mitte Mai 2026 für Fahrgäste der Draisinentour im Pfälzer Bergland erlebbar.

Wie sah die heutige Westpfalz vor 300 Millionen Jahren aus? Welche Lebewesen bewegten sich durch ihre tropischen Landschaften? Anhand von Fossilienfunden können Wissenschaftler viele Details dieser verschwundenen Welt rekonstruieren. Nun bietet eine VR-Experience eine weitere Möglichkeit, sich dieser Vergangenheit anzunähern.

 

Das Projekt „Zurück nach Pangäa – Als die Pfalz am Äquator lag“ verbindet die Draisinentour im Landkreis Kusel mit einer Reise in die Urzeit. Ab Sommer 2025 widmete sich ein Team des Studiengangs Virtual Design der Hochschule Kaiserslautern der Entwicklung der virtuellen Zeitreise und fand sich dabei schnell im Spannungsfeld zwischen realer Draisinentour, gestalterischen Anforderungen und dem Anspruch wissenschaftlicher Genauigkeit wieder.

„Das Problem begann schon bei der Strecke“, erinnert sich Leon Werner, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Verantwortlicher für die technische Umsetzung. Das Unternehmen VR Coaster – spezialisiert auf VR-Experiences für Achterbahnfahrten – steuerte zwar die technologische Grundlage bei, doch die Bedingungen einer Draisinentour unterscheiden sich deutlich von einem klassischen Fahrgeschäft. „Im Gegensatz zu einer Achterbahn dauert die Fahrt nicht nur ein paar Minuten, sondern rund zwei Stunden. Stromversorgung, VR-Brille und System müssen dabei die komplette Strecke über stabil und fehlerfrei funktionieren.“

Außerdem ließ sich die Fahrt schlechter kontrollieren als ein klassisches Fahrgeschäft. Schranken, Zwischenstopps und wechselnde Geschwindigkeiten verändern den Ablauf der virtuellen Reise. „Das System musste erkennen, wo sich die Draisine befindet, wann angehalten wird und an welcher Stelle die Story später wieder sinnvoll einsteigen kann“, erklärt Werner. Mithilfe von GPS-Tracking, modernster Sensorik und der virtuellen Begleiterin „Lea“ synchronisierte das Team reale Strecke und digitale Welt und entwickelte einen Nutzerwechsel, der ohne Eingriff von außen abläuft. Das war aber nur der erste Teil der Herausforderung.

„Wir mussten eine Geschichte entwerfen, die sich flexibel an den Streckenverlauf anpasst, aber auch für die Sehgewohnheiten unserer Zuschauerinnen und Zuschauer funktioniert“, betont Lukas Speyer, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Verantwortlicher für die gestalterische Umsetzung des Projekts. T-Rex, Velociraptor oder andere bekannte Namen sucht man hier allerdings vergeblich. Die virtuelle Reise führt rund 300 Millionen Jahre zurück ins Perm – in eine Zeit lange vor den großen Dinosauriern der Popkultur. „Denn viele denken bei Urzeitwelten sofort an Jurassic Park“, schmunzelt Speyer. „Aber diese Tiere waren kleiner, die Vegetation und Landschaften waren anders und gleichzeitig gibt es zu dieser Epoche deutlich weniger visuelle Vorlagen. Dennoch wollten wir eine Welt mit einem gewissen ‚Jurassic-Park-Effekt‘ bieten.“ Um diesen Spagat zwischen wissenschaftlicher Genauigkeit und Publikumserwartung zu schaffen, mussten paläontologische Inhalte, technische Umsetzung, Gestaltung und Nutzererlebnis nahtlos ineinandergreifen.

 

„Das Herausragende entsteht nicht nur durch Perfektion im Detail“, erklärt Christian Schmachtenberg, Professor für Experience Design und konzeptioneller Leiter des Projekts. „Am Ende zählt immer das Erlebnis als Ganzes. Nur wenn alle Komponenten perfekt zusammenwirken, entsteht eine Erfahrung, die Menschen emotional erreicht und nachhaltig in Erinnerung bleibt.“

Für die akkurate paläontologische Grundlage sorgte das Geoskop, das auf der Burg Lichtenberg bereits seit 1998 entsprechende Erkenntnisse zur Region vermittelt. Das virtuelle Pangäa jedoch wissenschaftlich fundiert, gestalterisch anspruchsvoll und zugleich publikumswirksam umzusetzen, lag federführend bei den Mitarbeitenden der Hochschule Kaiserslautern.

 

Statt einzelner spektakulärer Dinosaurier-Szenen entwickelte das Team eine möglichst realitätsnahe Urzeitszenerie, in der Flora, Fauna, Landschaften und Umweltbedingungen nahtlos ineinandergreifen. Selbst Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Sauerstoffgehalt der damaligen Zeit werden innerhalb der Anwendung sichtbar und mit den heutigen Verhältnissen verglichen. Die atmosphärische VR-Erfahrung verbindet paläontologische Genauigkeit mit modernen Sehgewohnheiten und zieht die Reisenden so in dieses Land vor unserer Zeit.

 

„Mit immersiven Technologien können Menschen Geschichte, Wissenschaft oder Kultur nicht nur betrachten, sondern unmittelbar erleben. Das schafft ein tieferes Verständnis und macht komplexe Inhalte leichter zugänglich“, sagt Professor Matthias Pfaff, Leiter des Virtual Reality Labors der Hochschule und Projektverantwortlicher. Der Professor für Virtuelle Räume und 3D-Design erforscht seit vielen Jahren, wie virtuelle Erlebnisse genutzt werden können, um Wissen anschaulicher und verständlicher zu vermitteln.

Die Reise nach Pangäa zeigt, wie sehr sich Landschaften, Klima und Lebensräume verändern können. Virtual Design macht diese Veränderungen nicht nur sichtbar, sondern lässt eine längst vergangene Wirklichkeit wieder erfahrbar werden. Wer nun selbst auf die Reise nach Pangäa gehen möchte, kann die VR-Experience seit Kurzem auf ausgewählten Fahrten der Draisinentour im Pfälzer Bergland erleben.